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Ausflüge • Kulinarik • Wein

Vom Gardasee an den Lago d´Iseo und in die Franciacorta

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Den Gardasee und seine sehr unterschiedlichen, immer faszinierenden Uferlandschaften zu erkunden, ist eine Aufgabe für ein halbes Leben. Doch auch die nähere Umgebung birgt landschaftliche, kulturelle und auch kulinarische Sensationen. So kommen viele der bekanntesten italienischen Weine aus Gebieten am – meist südlichen – Gardasee und immer ist es auch der Dreiklang von exzellentem Wein, landschaftlicher Schönheit und mediterranem Klima, der begeistert. Vom Bardolino über Chiaretto oder Amarone und Recioto al Lugana aus der Region Valpolicella bis zum Custoza al Marzemino – diese Weine gehören zu den besten Italiens. Doch meist fehlt in den Wein-Hitlisten eine exzellente Weinsorte: der Franciacorta.

Die Franciacorta: Hügel, Burgen, See und Wein

Gerade mal 35 Kilometer westlich des Gardasees liegt der Lago d´Iseo und die wunderschöne Hügellandschaft südlich des Sees nennt sich Franciacorta. Sie ist die Heimat eines Schaumweines gleichen Namens mit kontrollierter und garantierter Herkunftsbezeichnung (DOCG). Die Weingüter in der Region mit zwei Dutzend Gemeinden und einer Anbaufläche von rund 3.000 Hektar zwischen Iseosee und Brescia stellen den Franciacorta nach der sogenannten „Méthode Traditionelle“ her.

Die garantierte Ursprungsbezeichnung „Franciacorta“ dürfen demnach nur Weine tragen, die durch eine zweite Gärung in der Flasche und das Entfernen des Hefebodensatzes durch Degorgieren gewonnen werden. Zum ersten Mal in den 1960er-Jahren stellte das Weingut Berlucci einen Schaumwein nach der „Méthode Traditionelle“ her und folgten damit ihren französischen Vorbildern. Andere Weingüter folgten. Heute sehen nicht nur viele Italiener im Franciacorta einen erstklassigen Schaumwein, der französischen Vorbildern ebenbürtig ist und sich dazu meist noch etwas fruchtiger und frischer zeigt. Doch dazu später mehr.

Franciacorta Weinstraße – 80 Kilometer durch das Herz der Wein-Region

Denn nicht nur der besondere Wein zeichnet die Franciacorta aus. Die Region zeigt sich als sehr schöne Hügellandschaft, die vor Urzeiten von Gletscher-Moränen geformt wurde. Eingebettet sind geschichtsträchtige Orte und Städtchen, Klöster, herrschaftliche Villen und viele Burgen.

Viele der Weinorte und dazu einige der bekannten Weingüter streift die „Strada del Vino Franciacorta“, die spezielle Weinstraße beginnt östlich von Brescia und führt von Gussago 80 Kilometer lang bis nach Paratico. Die Möglichkeit in den zahlreichen Restaurants und Weinkellereien an der Route die regionalen Weine zu verkosten, sollte unbedingt genutzt werden. Außerdem bietet sich auch der Einkauf auf den Winzerhöfen vor Ort an. Die Region eignet sich auch hervorragend für schöne Radtouren.

Von Etruskern, Römern und Veneziern: Die uralte Kulturlandschaft Franciacorta

Nicht nur auf ihre perlenden, feinen Weine sind die Bewohner der Region stolz, sondern auch auf ihre weitreichende Kulturgeschichte. Hier siedelten im Laufe der Jahrtausende schon Etrusker und Kelten, herrschten Römer und Lombarden, Karolinger und Venezier. Und von allen sind noch zahlreiche architektonische Spuren zu sehen. Besuchenswert sind beispielsweise das mittelalterliche Kastell von Capriolo, das Castello Oldofredi in Iseo am Ufer des Sees, das Dominikanerkloster „La Santissima“ in Gussago, die Kirche San Giacomo Maggiore in Ospitaletto oder auch die Burgruine Lantieri bei Paratico.

Der Lago d´Iseo selbst, 25 Kilometer lang und bis zu 250 Meter tief, ist bei weitem nicht so frequentiert wie der Gardasee. Doch hat er sich, seiner günstigen Fallwinde wegen, zu einem Seglerparadies entwickelt. Eine weitere Besonderheit: Viele Felswände am Ufer fallen steil ab ins Wasser und trotzdem kann man den Iseosee mit Auto oder Rad komplett umfahren – die Straße ist dazu an vielen Stellen eigens aus dem Fels gehauen.

An der Südspitze des Iseosees liegt mit den Torfmooren des Sebinos ein zauberhafter Ort, an dem Wasser und Erde zusammentreffen. Das Naturschutzgebiet und Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung überwältigt mit seinen wunderbaren Farben und der Fülle an seltenen Vögeln.

Spazieren über den Iseosee – auf den Piers von Christo

Drei Inseln liegen im Iseosee. Zwei davon, die große Monte Isola und die Kleine sich in Privatbesitz befindende Isola di San Paolo, wurden 2016 berühmt. Der Künstler und Verhüllungsspezialist Christo macht es mit seiner Installation „The Floating Piers“ drei Wochen lang möglich, die beiden Inseln vom Ufer aus über schwimmende, mit gelbrotem Stoff bespannte Stege per Fuß übers Wasser zu erreichen und zu umrunden. Geschätzt 1,3 Millionen Kunst-Touristen nahmen die Gelegenheit wahr.

In Sarnico am Fluß Oglio, dem Abfluss des Sees, gründete Pietro Riva 1842 eine Werft, Urenkel Carlo Riva baute ab 1949 dort die berühmten Riva-Boote, die mit ihrer fugenlosen Mahagonny-Beplankung und dem eleganten, luxuriösen Design vor allem in der Jetset-Szene der 1950er- bis 1970er-Jahre sehr begehrt waren. Rund 2000 dieser Oldtimer-Boote, die mittlerweile Höchstpreise erzielen, sollen noch existieren.

Franciacorta – einer der besten Schaumweine Norditaliens

See und Region haben für Besucher vieles zu bieten, doch das Interessanteste wird, zumindest für Wein-Fans, die kleine Franciacorta-Landschaft mit ihrem unnachahmlichen Spumante-Wein gleichen Namens sein. Ihn gibt es in drei Varianten: Der Franciacorta wird aus Chardonnay und Pinot Nero (Pinot Noir) gekeltert, wobei maximal 50 Prozent Pinot Bianco (Pinot Blanc) dabei sein dürfen. 18 Monate muss er in seinen Flaschen auf der Hefe lagern. Der Franciacorta Rosé verlangt mindestens 25 Prozent Pinot Noir. Seit sechs Jahren dürfen auch maximal zehn Prozent der nur hier wachsenden Rebsorte Erbamat verwendet werden. 24 Monate Reifung auf der Hefe sind Pflicht. Der seidig-samtene Franciacorta Satèn muss ohne Pinot Noir auskommen und ebenfalls 24 Monate auf der Hefe lagern. 11,5 Volumenprozent Alkohol ist bei allen Franciacortas Pflicht. Der Satén wird nur in „brut“ erzeugt und angeboten, die beiden anderen auch als dosaggio zero, extra brut, brut und extra dry.

Genügend Variationsbreite also, um für verschiedenste Menüs den passenden, prickelnden Franciacorto zu finden. Viele Restaurants und auch nicht wenige Weingüter bieten durchkomponierte Menüs an, deren Gänge mit einem passenden Franciacorta-Schaumwein begleitet werden. Spezialitäten der Region sind hier langsam in Olivenöl aus Rovato gegartes Rind auf Polenta oder Iseosee-Schleie aus dem Ofen – beides ein Hochgenuss!

Nicht versäumen: ein Stopp in der Kulturhauptstadt Brescia

Wer vom Gardasee zu einem Ausflug ins Franciacorta-Weinland aufbricht, kommt an Brescia vorbei. Auch wenn ein Besuch der Stadt, die in diesem Jahr zusammen mit Bergamo Kulturhauptstadt Italiens ist, mindesten einen ganzen Tag an Zeit verdient, sollte zumindest ein kleiner Abstecher in die faszinierende Stadt mit ihrer römischen Vergangenheit auf der Fahrt in die Franciacorta zum Pflichtprogramm gehören sein.