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Ausflüge • Kultur

MuSa Museo erzählt die Historie von Salò – ein Ort voller Lebensart und Geschichte

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Einen ausgedehnten Besuch ist das Museum im geschichtsreichen Salò, Museo MuSa genannt, allemal wert. Farbenfroh in Orange und Gelb zeigt sich der Gebäudekomplex an der Via Brunati, der früher die Kirche Santa Giustina und bis 1773 ein Internat des Somasker-Ordens beherbergte. Auch später wurden der Komplex schulisch genutzt, nun dient er als Museum vor allem dazu, die bewegte Geschichte der Kleinstadt am Südwestufer des Gardasees – übrigens gerade mal vier Kilometer vom Eden Reserve in Gardone Riviera entfernt – Besuchern nahezubringen.

Das MuSa versammelt Funde, Werke und Dokumente aus der langen Geschichte von Salò – von der Römerzeit über die Herrschaft Venedigs im 15. Jahrhundert bis zu den Jahren der italienischen Sozialrepublik von 1943 bis zum Kriegsende. Das MuSa zeigt auch neben seinen interessanten Gemäldesammlungen immer wieder aktuelle Ausstellungen, die sich künstlerischen und auch sozialpolitischen Themen widmen. Zudem finden das ganze Jahr über im MuSa Konzerte, Shows, Treffen und Ausstellungen statt.

Gasparo da Salò: Contrabasso Biondo bewahrt Klang über Jahrhunderte

Ein eigenes Kabinett ist dem Geigenbauer Gasparo Bertolotti gewidmet, der 1542 nahe Salò geboren wurde. Besser bekannt ist Bertolotti unter dem Namen Gasparo da Salò. Er begründete eine sehr bekannte Geigenbauerschule. Vor allem seine Violen sind berühmt und heute noch von Bratschenspielern begehrt, denn die Instrumente haben nichts von ihrem einmaligen Klang verloren. Eine Viola von Gasparo erzielte bei Christie’s in einer Auktion vor rund zehn Jahren 540.000 Dollar. Als herausragend gelten auch Gasparos Kontrabässe. Sein Contrabasso Biondo wird im MuSa nicht nur gezeigt, sondern bei verschiedenen Events auch gespielt. Wer die Gelegenheit hat eine der seltenen musikalischen Veranstaltung zu besuchen, bei der der Kontrabass aus seiner Vitrine geholt und gespielt wird: Es lohnt sich sehr, den warmen Klängen des Instrumentes zuzuhören, das vor über 400 Jahren in einer von Gasparos Werkstätten in Brescia gefertigt wurde.

Museo del Nastro Azzuro: Erinnerung an Gefallene vieler Kriege

Das Museo del Nastro Azzuro, das kleine Militärmuseum des blauen Bandes, ist seit acht Jahren in das MuSa integriert, es dokumentiert die Opfer italienischer Soldaten vom 18. Jahrhundert bis 1945. 1976 wurde die Fondazione Museo Storico del Nastro Azzurro gegründet. Bis heute ist die Stiftung Eigentümerin und Verwalterin dieser speziellen Sammlungen des Museums.

Zu den wissenschaftlichen Sammlungen des Museums gehören auch die antiken Instrumente des meteorologisch-seismischen Observatoriums Pio Bettoni in Salò, das 1877 im Santa-Giustina-Turm eingerichtet wurde. Das meteorologische Observatorium weitete seine Beobachtungen seit 1889 auf die Seismologie aus: Dank der langen, ununterbrochenen Beobachtungsreihe hat es europäische Relevanz.

Die vier Graduale: Highlights der Buchkunst des Spätmittelalters

Ein Highlight der Buchkunst des ausgehenden Mittelalters beherbergt das Museo di Salo mit den vier Gradualen. Diese Pergament-Manuskripte, reich mit ausdrucksvollen farbigen Miniaturen verziert, enthalten Mess-Gesänge für das gesamte liturgische Jahr. Die vier Graduale wurden Mitte des 15. Jahrhunderts von der Gemeinde Salò erworben. Drei der vier wertvollen Manuskripte sind mittlerweile digitalisiert, mit Hilfe eines Touchscreens können die Bücher vollständig betrachtet und durchsucht werden.

Italienische Sozialrepublik 1943-1945: Das dunkle Kapitel multimedial aufbereitet

Salò und der südwestliche Küstenabschnitt des Gardasees ist auch als Zentrum der Italienischen Sozialrepublik bekannt. Jenes Staates der 1943 von Mussolini mit Hilfe Hitlerdeutschlands geschaffen wurde – als eine Reaktion auf den Waffenstillstand und die Beendigung des Bündnisses mit Deutschland durch Marschall Pietro Badoglio als Ministerpräsident und König Vittorio Emanuele III.

Plötzlich standen die Italiener zwischen zwei Besatzungsarmeen – der deutschen ehemals verbündeten Armee in der Mitte und im Norden sowie der Alliierten im Süden. Italien war demnach in zwei Staaten aufgeteilt: die Republik Salò in Mittel- und Norditalien und das Königreich Italien im Süden. Die Befreiung des gesamten Landes durch die vorrückenden Alliierten sollte noch sechshundert lange Tage dauern. Zu den Schrecken des blutigsten Krieges der Geschichte des Landes in dem 443.000 Italiener fielen, zerriss ein grausamer Bürgerkrieg, dessen Auswirkungen heute noch zu spüren sind, Italien.

Ein komplett erneuerter Ausstellungsrundgang durch die sehr gut gestaltete Multimedia-Schau dokumentiert mit Erzählungen von Zeitzeugen diesen dramatischen historischen Zeitabschnitt mit seinen Kämpfen zwischen Soldaten der Sozialrepublik und Partisanen. Kämpfe von Italienern gegen Italiener, die das Land Italien auch lange nach Kriegsende noch tief spalteten.

Salò heute: Einer der schönsten Orte am Gardasee

Salò, mit dem Shuttle vom Eden Reserve gerade einmal 10 Minuten entfernt, steckt nicht nur voller Geschichte, es ist auch einer der schönsten Orte am Gardasee mit Stränden, Plätzen, Promenaden und einer quirligen Altstadt. Salò wurde in alten Zeiten erst von den Visconti aus Mailand und später von den Venezianern zum Verwaltungssitz des Westufers bestimmt. Die Stadt hat sich eine sehr authentische Atmosphäre bewahrt und ist ein intensiveres Kennenlernen wert.